Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Expertin für kreative Organisation.

Aktualisiert: 10. Juni

29.05.2022

In Berlin-Neukölln wurde ich 1976 geboren und im Gegensatz zu meinen Eltern und meiner älteren Schwester, hatte ich einen zarten Flaum von blonden Haaren und blauen Augen. Ein Erbe meines Opas. Sie dagegen hatten viele und braune Haare und Augen. Und nicht nur das Aussehen, sondern auch ich als Person war anders. Aber erst Jahre später bekam das Ganze einen Begriff: hochsensible Scannerpersönlichkeit. Ich bezeichne mich meist als Vielbegabt. Mein Weg zu der, die ich heute bin, war nicht einfach nur geradeaus. Sondern kurvig und holprig. Und auch wenn nicht alles leicht war, waren es Erfahrungen und Menschen in meinem Leben, durch die ich gewachsen bin. Und mit meiner Persönlichkeit habe ich einen großen 'Werkzeugkoffer' an Stärken und Talenten, um heute die zu sein, die ich bin. Aber nun erstmal Stück für Stück.


1. Die erste große Reise. Auch wenn ich in Berlin geboren wurde, lebte ich dort nicht lang. So mit einem Jahr ungefähr zogen meine Eltern auf die Schwäbische Alb in ein 3000 Seelen Ort. Für meine Eltern war das natürlich eine große Umstellung so als Großstadtkinder. Aber für uns (mich und meine 4 Geschwister) war es der ideale Ort zum aufwachsen. Natur zum entdecken um uns herum. Um auf die Bäume zu klettern, den ganzen Tag auf der Straße zu spielen. Ganz ohne technischen Schnickschnack. Es gab eine Uhrzeit an der wir zu Hause sein sollten und alle hielten sich daran. Eine schöne Zeit zum entdecken, lernen, experimentieren, ausprobieren, Freundschaften schließen. Viele von euch kennen das sicher noch.


Berliner Göre Mit Berliner Bär


2. Die Schule fing an. Ich freute mich sehr darauf endlich ein Schulkind zu sein. Allerdings verwandelte sich die Freude recht schnell in Frustration. Ich galt als verträumt, unkonzentriert, nicht bei der Sache. Als diejenige, die sich einfach nur für die Unwichtigen Dinge interessierte.

Aber hey - anstatt ein sauberes A schreiben zu können, war es doch viel interessanter unseren Schmetterlingsschaukasten im Klassenzimmer zu beobachten, wie aus den Kokons die Schmetterlinge während dem Unterricht schlüpften. Alle anderen verpassten es.

Anstatt die ganzen Rechenformeln zu können, war es denn nicht wichtiger, die Dinge durch klettern, ausprobieren, matschen, durch das spielen auf Wiesen und in Wäldern zu lernen? Selbst die Hausaufgaben machte ich liebend gerne auf dem Boden, in für andere unbequemer Haltung, anstatt den extra gekauften Schreibtisch zu nutzen.


Einschulung. Hausaufgaben mal anders


3. Chaos und Ordnung. Ich war in den Augen anderer chaotisch und unstrukturiert. Ist ja für einen Aussenstehenden nicht immer so klar, dass man als Vielinteressierte auch viel verschiedenes Material benötigt. Schließlich müssen ja auch die Ideen und Interessen ausprobiert und umgesetzt werden. "Du musst aber auch immer alles mögliche sammeln. Brauchst du das alles wirklich noch?" Meine Mutter fragte mich das ständig und ja ich brauchte das alles. Damit brachte ich sie manches mal zur Verzweiflung, da sie das komplette Gegenteil lebte, Erst Jahre später wurde mir klar, dass ich das gar nicht bin. Weder eine Sammlerin, noch chaotisch, Ich hatte nur ein für mich passenderes System, welches zu mir als Scannerpersönlichkeit passte. Über Vielbegabte und Ordnung kannst du in einem anderen Blogartikel von mir lesen. Aber für die anderen war das nicht verständlich. Galt es doch sich an die üblichen Regeln zu halten. Die ja auch für sie funktionierten.


4. Lebendig sein - oder besser nicht. Ich teilte meine Fragen, wollte soviel wissen, bis alle genervt waren und ich damit aufhörte. Ich teilte gerne meine Gedanken und Ideen, bis jeder meinte ich solle still sein. Also wurde ich still. Ich liebte es auf Wiesen zu liegen und mir auszumalen, was ich alles tun und sein könnte. Die Welt so bunt und wild zu machen, wies es mir gefallen würde.

Ich probierte gerne soviel aus und mein Tatendrang sprudelte nur so über, kletterte, experimentiere, entdeckte. Ich zeichnete, schrieb meine Ideen auf und setze sie um. Aber ich sollte ja still sitzen, ruhig sein und mich konzentrieren. Und irgendwann tat ich es auch. Ich passte mich an so gut ich es konnte. Und das war gar nicht so leicht. Denn ich liebte es den ganzen Tag Abenteuer zu erleben.


Beim Drachensteigen Zelten im Garten Klettern geht überall


5. Veränderungen und trotzdem nicht dazu gehören. Und ich gehörte irgendwie nirgends dazu. Ich konnte den Dialekt nicht sprechen, hatte andere Interessen, fühlte mich nie einer Gruppe wirklich zugehörig. Auch verstand ich oft den Sinn nicht dahinter, warum man sich so benehmen sollte, dies tun oder jenes denken. Irgendwie war das alles für mich nicht so logisch, wie für alle anderen. Und so wurde ich oft gehänselt und gemobbt, dass ich sogar die Schule wechselte. Aber auch da gehörte ich nicht richtig dazu. Je älter ich wurde, desto besser konnte ich mich anpassen. Wie ein Chamäleon. Was dabei allerdings mehr wurde, waren die Allergien, die Migräne, die fehlende Lebendigkeit. Und ganz viel später kam Hashimoto dazu.


6. Was ich mal werden will. Als es dann noch Zeit war sich für eine Ausbildung zu entscheiden, wurde es echt schwer. Da ich gar nicht wusste was ich wollte. Einerseits gab es soviel Interessantes und andererseits habe ich durch lauter verbiegen, meine Stärken nicht mehr gesehen. Ich hatte lauter Ideen von der Kriminalpolizei zu Chemielaborantin war alles dabei. Bewarb mich, machte Praktikas um dann festzustellen, dass passt alles irgendwie nicht so zu mir. Irgendwann habe ich mich dann für die Ausbildung zur Erzieherin. Hier konnte man ja begleiten und kreativ sein - oder?


7. Ausbildungszeit und Erkenntnisse. Mir gefiel die Ausbildung, vor allem die kreativen Anteile. Ich liebte meine Praktika in den Einrichtungen. Ich entdeckte ein Stück weit wieder die Entdeckerfreude und es war so schön den Kindern die Möglichkeiten dafür zu geben. Den Raum zum wachsen und lernen. Ich lernte aber auch hier, dass es Einschränkungen gab. Deine Angebote müssen genau nach dem Schema durchgeführt werden. So muss es ablaufen, dass müssen Kinder lernen. Ganz oft war ich im Laufe der Zeit im Zwiespalt. Zwischen dem zu sehen und zu spüren, was die Kinder wirklich brauchten und dass was ich ihnen stattdessen geben sollte.

Erzieherin in Ausbildung
In der Ausbildung zur Erzieherin

8. Nur Erzieherin? Als Erzieherin machte ich jede Stufe mit, die man in dem Berufsfeld machen konnte. Von Zweitkraft, Gruppenleitung; Leitung, Anleiterin für zukünftige Erzieher:innen, Praktikantenbegleitung, Kooperationspartnerin für die Grundschulen. Ich machte Nebenbei den Fachwirt für Organisation und Führung im sozialen Bereich, Sprachheilzusatzausbildung und noch so einige mehr. Ich konnte und kann es auch heute nicht, einfach nur einen Beruf erlernen und dass dann für immer machen. Ich liebe es zu lernen und mich weiterentwickeln. Meinen Kopf zu füttern mit Wissen und mein Können und meine Fähigkeiten zu erweitern. Und das am besten in dem ich es einfach tue.


9. Meine berufliche Stärke wird sichtbar. Und ich baute meine Fähigkeiten aus. Hier auf dem Land war die Einrichtung die ich leitete, eine der ersten die Zweijährige aufnahm. zu dem Zeitpunkt gab es keine Krippe. Mit dem Team gestaltete ich die Einrichtung zum Bewegungskindergarten um, wo die Kinder genügend Raum hatten sich auszuprobieren und trotzdem (oder gerade deswegen) konzentriert an den ruhigeren Angeboten arbeiten konnten.

Im Laufe der Zeit merkte ich auch, dass es gerade die 'schwierigen' Kinder waren, zu denen ich den besten Zugang hatte. Schwierig in den Augen anderer, nicht ins System passend, anstrengend, nervig... und wie sie noch betitelt wurden. Und wahrscheinlich weil ich genauso wenig ins System passte, konnte ich sie am besten verstehen, begleiten und unterstützen. Ich wusste wie es ihnen ging. Ich spürte was sie eigentlich brauchten. Meine Stärke ist hier, ihre Stärken zu entdecken und sie zu begleiten und bestärken, dass sie genau so richtig sind, wie sie sind. Und das auch den Eltern und anderen zu vermitteln und ihnen ein Weg zu zeigen, wie sie damit umgehen können. Und wahrscheinlich war dabei meine Hochsensibilität sicherlich eine prima Unterstützung.


Kopf und Faust des Babys auf dem Ultraschallbild
Kopf und Faust des Babys

10. Familienleben und Beruf unter einen Hut bringen. Ich heiratete (und hey wir haben vor ein paar Tagen unseren 20ten Hochzeitstag gehabt - da soll mal noch einer sagen Scanner können nicht lange an etwas dran bleiben) und bekam eine tolle Tochter. Eine besondere Zeit, welche ich nicht missen möchte und ich mich auch hier enorm weiterentwickelt habe.

Die mich aber mit meiner Persönlichkeit zum Teil auch herausgefordert hat. Sich und seine Bedürfnisse noch mehr zurücknehmen. Familie und Beruf gleichermaßen gerecht zu werden und unter einen Hut zu bringen, war manchmal ein ganz schön holpriger Weg. Aber genau der und meine Position als Führung einer Einrichtung, lernten mich strukturiert und organisiert zu arbeiten.


11. Überblick behalten ist ein nützlicher Helfer. Ich baute meine Fähigkeit aus, den Überblick zu behalten. Früher im Kindergarten als Gruppe mit 25-28 Kinder zu zweit und zu jedem mir anvertrauten Kind konnte ich immer etwas sagen, wenn Eltern mehr wissen wollten. Konnte Sie entsprechend beraten und begleiten. Später in einem offenen Haus, immer zu wissen, wo sich gerade welches Kind aufhält und wie sie sich entwicklen und wo sie Unterstützung benötigen, schulte meine Beobachtungsgabe und Aufmerksamkeit. Und ich konnte oft auf den ersten Blick sagen, wer heute fehlte, ohne in die Anwesenheitsliste zu schauen. Nebenbei das Telefon bedienen, die ToDos des Tages im Blick haben, Monatsplanung, Jahresplanung, Themen für die Teambesprechungen planen, Elternfragen an der Tür beantworten, Kinder bei kleineren Notfällen versorgen und noch vieles mehr. Der Tag war gespickt mit geplanten, aber auch mit ganz viel ungeplanten Aufgaben die es zu erfüllen galt. Und ganz oft war Multitasking angesagt.


12. Das Kind in dir leben. Das ist einer der Parts als Erzieherin, die man sogar im Beruf machen kann. Spaß haben, lachen, gemeinsam entdecken und erforschen, Quatsch machen, Im Blätterhaufen toben. Die Kinder und ich hatten dabei jede Menge Spaß. Ich lebte es vor und die Kinder machten mit. Denn dieser Teil wurde umso wichtiger, je mehr wir zur Leistungsgesellschaft wurden. Spaß zu haben und über sich selbst lachen zu können ist so wertvoll. Und für mich ist Spiel und Spaß auch heute noch ein wichtiger Begleiter. Logik Spiele, Rätsel knacken, Geocaching, EscapeRoom, Fotografieren, Sketchnotes zeichnen, nähen, gestalten und mehr sind meine Begleiter.


Im Blätterhaufen - Über mich selbst lachen - 'Kleine Hexe' selbstgemacht


13. Berufswechsel. Und obwohl ich meinen Beruf liebte, ging es mir irgendwann nicht mehr gut. Und ich musste etwas neues machen. Und da half es nicht nebenbei Zusatzqualifikationen zu erlernen. Denn hier hatte ich bereits alles, was möglich war, gemacht und ausprobiert. Und so kündigte ich nach über 19Jahren und ging an eine neu gegründete Privatschule. Und hier helfe ich bei der Umsetzung des anderen Konzeptes. Organisiere, verwalte, setze technisch vieles um, mache Dinge die nicht so üblich sind als Assistentin der Schulleitung. Und auch hier lerne ich viel und wachse. Und mit meinen Stärken und Talenten passe ich da ziemlich gut hin.



Meterlange Sketchnote der Schulgeschichte für einen Infotag


14. Nebenberuflich gestartet. Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht noch mehr Projekte stemmen würde. Und so fing ich Nebenberuflich an und mich Online sichtbar zu machen, Zunächst als GlückDabei und habe Taschen, Geldbeutel und Accessoires genäht. Aber schnell gemerkt, dass ich lieber aus Spaß nähe, als für einen Auftrag. Nebenbei entdeckte ich Sketchnotes bei Simone Abelmann Ja ich konnte zeichnen, habe es aber schon ewig nicht mehr gemacht. Und daher etwas altes wieder neu entdeckt. Hier ist dann Stift_und_Kopf entstanden. Aber ich probierte weiter aus und bin mit Kreativ&Organisiert gestartet. Und hier fühle ich mich richtig.


Beim 10 KM Walk 'WomensRun'. Beim Gassi gehen mit Finja. Beim wandern und fotografieren.


15. Was mir noch dabei half. Neben meinen Ausbildungen zur Erzieherin, Fachwirtin, Lernpädagogin und aktuell Bilanzbuchhalterin habe ich noch einiges mehr gelernt. Coaching, Bachblüten, Energiearbeit, Reiki, Numerologie, Meditation, PMR, Autogenes Training, . Die Liste ist auch hier ziemlich lang. Besonders wertvoll waren und sind es die Menschen die mir auf meinem Weg begegnet sind. Und mich begleitet haben oder aktuell begleiten. Und egal ob die Begegnung eher einer schlechten Erfahrung glich oder einer guten. So sind sie alle ein Teil dessen, was ich bin. Durch Sie habe ich viel gelernt. Auch wenn mir das bei einigen erst lange im Nachhinein klar wurde.


16. Krisen und Chancen. Ja, auch ich habe so manche Krise in meinem Leben gehabt. Diese haben mich manchmal ganz schön an mir zweifeln lassen. Manches mal habe ich gedacht, ich muss mich ändern. Noch mehr anpassen. Und sie haben mich viel Kraft gekostet. Aber so im Nachhinein betrachtet, bin ich dankbar dafür. Auch wenn man den Sinn dahinter, oft erst später - wenn überhaupt - erkennt. Heute sehe ich Krisen als Chance. Als Chance genau hinzuschauen, wie ich es wirklich haben will. Wie mein Weg sein soll, Was meine Ziele sind. Ich sehe sie als Chance für meine persönliche Weiterentwicklung. Sie gehören zum Leben dazu, wie der Sonnenschein.

Durch das ausprobieren, lernen, weiterentwickeln habe ich meine Fähigkeiten und Kenntnisse erweitert und ausgebaut. Durch tolle Menschen in meinem Leben, welche mich inspiriert, begleitet und durch den Austausch wertvolle Impulse gesetzt haben und noch heute tun. Durch meine eigene Erlaubnis, meine Persönlichkeit - meine Vielfalt zu leben, konnte ich wachsen und umso mehr leuchten. Durch meine Erlebnisse und Erfahrungen kann ich heute die sein, die ich bin. Mit Sandra Reekers habe ich in den letzten Monaten noch mehr Klarheit, über meine Vision und mein neues Ziel gefunden. Und ich habe meine Persönlichkeit - eine hochsensible Scannerpersönlichkeit - nun als meine besondere Stärke und Begabung kennen und lieben gelernt.


17. Heute habe ich zwei Jobs. Die Assistentin einer Privatschule und die Gestalterin (eigenes Journal und mehr) und Begleiterin, welche dich dabei unterstützt, deine eigenen Methoden und Tools zu finden. Damit auch du deinen eigenen `Leitfaden` erstellen kannst, um deinen Alltag und deine Arbeit kreativ zu strukturieren und organisieren . Deine Hinde